Ich habe im Garten einen ziemlich schwarzen Daumen, aber am Küchentisch klappt es mit Grünzeug erstaunlich gut. Dieser Mini Pothos wird nie welk, braucht kein Gießwasser und passt trotzdem auf jede Fensterbank – ein Häkelprojekt für einen verregneten Nachmittag, an dem draußen im Allgäu ohnehin nichts wächst. Mit Baumwollgarn in Taupe, Beige und Olivgrün und einer Häkelnadel 2,5 mm entsteht Topf, Ranke und Blatt in wenigen, klar nachvollziehbaren Etappen.
Der Topfboden: Fadenring und die ersten Runden

Alles beginnt mit dem Fadenring – meine Großmutter Irmgard hat diesen Schritt nie erklärt, weil sie ihn gar nicht bewusst gemacht hat, ihre Hände kannten ihn einfach. Für den Topfboden schlagt ihr 6 feste Maschen in den Ring, zieht ihn erst nach Runde 4 richtig fest zu.
- Runde 2: in jede Masche zunehmen = 12 M
- Runde 3: *1 fM, 1 Zunahme* wiederholen = 18 M
- Runde 4: *2 fM, 1 Zunahme* wiederholen = 24 M, dann den Faden am Ring fest zuziehen
Ich arbeite hier mit Baumwollgarn, weil es Struktur hat und den kleinen Topf später standfest macht – Acrylgarn wird an dieser Stelle schnell zu weich und der Boden wellt sich.
Die Topfwand: nur ins hintere Maschenglied

Runde 5 ist der Moment, an dem aus einer flachen Scheibe ein richtiger Topf wird. Dafür häkelt ihr nur ins hintere Maschenglied – nicht in beide Glieder wie sonst. Genau diese Technik erzeugt die sichtbare Kante am Übergang, die man auf dem Foto gut erkennt.
Danach folgen sechs weitere Runden mit je 24 festen Maschen, ganz normal in beide Maschenglieder. Zum Abschluss oben rundum im Wechsel 1 Noppe, 1 feste Masche – das gibt dem Rand eine leicht unregelmäßige, gemütliche Optik statt einer glatten Kante.
Wenn die Wand am Ende krumm wirkt, zählt noch mal die Maschen nach – ein einziger übersehener Zunahmefehler in Runde 3 reicht, damit sich der Topf schräg zieht.
Fertig ist eine Topfhöhe von etwa 6 Zentimetern.
Aufhängung anbringen: vier Schnüre am Rand

Für die Aufhängung häkelt ihr vier Luftmaschenketten mit je 55 Luftmaschen in Beige. Diese werden an vier gleichmäßig verteilten Punkten am oberen Topfrand befestigt – am besten stellt ihr euch den Rand wie ein Ziffernblatt vor und setzt die Schnüre auf 12, 3, 6 und 9 Uhr.
Erst wenn alle vier befestigt sind, nehmt ihr sie oben zusammen und verknotet sie fest. Genau hier lohnt sich Geduld: haltet den Topf testweise am Knoten hoch, bevor ihr ihn endgültig fixiert. Hängt er schief, war eine Schnur nicht ganz gleichmäßig verteilt – lieber jetzt nachjustieren als später an der Wand.
Das ist der Schritt, den man leicht unterschätzt, weil er nach reiner Fleißarbeit aussieht. Ist er aber nicht: eine ungleiche Aufhängung sieht man sofort.
Blätter und Ranken: das Herz der Pflanze

Jetzt wird es fummelig, das sage ich ehrlich. Für jede Ranke häkelt ihr eine Luftmaschenkette von 18 bis 24 Maschen in Olivgrün, an die dann die Blätter angesetzt werden.
Ein Blatt entsteht so:
- 8 Luftmaschen anschlagen
- ab der 2. Luftmasche: 1 feste Masche
- 2 halbe Stäbchen
- 2 Stäbchen
- 2 halbe Stäbchen
- 1 feste Masche
Diese Zunahme in der Mitte gibt dem Blatt die typische, leicht herzförmige Pothos-Silhouette. Für eine vollständig belaubte Pflanze braucht ihr 6 bis 8 Blätter – lasst den Faden jeweils lang genug stehen, den braucht ihr gleich zum Annähen. Wer weniger Zeit hat, kommt auch mit vier üppigeren Ranken aus, die Pflanze wirkt dann einfach etwas zarter.
Zusammensetzen: Füllung, Ranken und Enden verstecken

Bevor die Ranken hinein können, wird der Topf leicht mit Füllwatte ausgestopft – nur so viel, dass er Halt bekommt, nicht randvoll, sonst wölbt sich die Topfwand nach außen. Bei Kindern im Haushalt lieber allergenarme Füllwatte verwenden und darauf achten, dass sie nicht offen herumliegt.
Danach ordnet ihr sechs Ranken im Inneren des Topfs an und vernäht sie fest mit der Wollnadel, so wie auf dem Foto zu sehen. Alle offenen Fadenenden werden sauber vernäht und im Topfinneren versteckt – hier zeigt sich, ob vorher sauber gearbeitet wurde, denn schlampige Enden sieht man später von außen als kleine Beulen.
Die Blätter dabei schon locker verteilen, nicht platt andrücken. Der natürliche Fall entsteht erst im nächsten Schritt.
Formen und Aufhängen: der letzte Handgriff

Zum Schluss richtet ihr alle vier Schnüre gleichmäßig aus, damit der Topf beim Aufhängen nicht kippt. Dann werden die Blätter mit den Fingern vorsichtig in Form gedrückt und die Ranken locker nach unten gezogen, damit sie fallen wie bei einer echten hängenden Pothos.
Beim Aufhängen selbst prüft ihr noch einmal die Höhe und zieht den obersten Knoten nach – lieber zweimal nachjustieren als eine schiefe Pflanze an der Wand hängen haben. Fertig ist eine kleine, gehäkelte Hängepflanze, die weder Wasser noch Licht braucht.
Das Ergebnis hat mich selbst überrascht, wie lebendig die Ranken durch das lockere Herabhängen wirken – dabei ist es am Ende nur Garn und ein bisschen Geduld.
Das Wichtigste zum Schluss
Ein Nachmittag, eine Handvoll Restwolle und am Ende hängt eine kleine grüne Pflanze an der Wand, die keine einzige Gießkanne je zu Gesicht bekommt. Genau solche Projekte mag ich am liebsten – überschaubar, aber mit echtem Ergebnis in der Hand.


Gut zu wissen: eure Fragen
Welches Garn eignet sich am besten für den Mini Pothos?
Baumwollgarn hält die Form deutlich besser als Acrylgarn, gerade beim Topfboden. Für die Ranken und Blätter geht auch eine dünnere Restwolle aus dem Wollkorb, solange die Häkelnadel 2,5 mm dazu passt.
Kann ich weniger Blätter häkeln, wenn mir die Zeit fehlt?
Ja, vier üppigere Ranken statt sechs bis acht funktionieren auch. Die Pflanze wirkt dann etwas zarter, aber genauso stimmig.
Warum wackelt mein Topf, obwohl ich alle Runden richtig gezählt habe?
Meist liegt es an der Füllwatte – zu wenig, und der Topf gibt in der Wand nach. Etwas mehr Füllung stabilisiert ihn, ohne dass er sich wölbt.







