An einem dieser nasskalten Nachmittage, an denen der Kachelofen noch nicht richtig zieht, habe ich mir diesen ovalen Korb vorgenommen – ich wollte etwas, das man tatsächlich hochheben kann, ohne dass einem die Wolle aus den Fingern rutscht. Herausgekommen ist ein Korb mit fester Bodenform, einem grünen Streifen und einem Henkel, der nicht angenäht, sondern aus einer eingezogenen Kordel herausgezogen wird. Das klingt komplizierter, als es ist. Wirklich.
Der ovale Boden entsteht

Alles beginnt mit einer kurzen Anfangskette, die ihr rundherum mit festen Maschen umhäkelt – so entsteht die ovale Grundform, die man von runden Körbchen unterscheidet: an beiden geraden Seiten der Kette geht es normal weiter, an den beiden Enden werden mehrere Maschen in dieselbe Stelle gehäkelt, damit sich die Rundung bildet.
Ich häkle diesen Boden immer mit cremeweißem Textilgarn, weil sich Farbwechsel später am hellen Untergrund einfach schöner absetzen. Auf dem Foto seht ihr genau diesen Moment: die grüne Häkelnadel sitzt in einer der letzten Maschen der ersten Runde, der Boden ist noch klein und flach.
- Fester Anschlag: zieht die erste Reihe nicht zu straff, sonst wellt sich der Boden später
- Maschenmarkierer: optional, aber hilfreich, um den Rundenanfang nicht zu verlieren
Den Boden weiter vergrößern

In den folgenden Runden geht es vor allem darum, Geduld zu haben. Der Boden muss groß genug werden, damit der Korb später stabil steht und nicht kippelt, sobald ihr etwas hineinlegt. Auf dem Foto ist der Boden schon deutlich gewachsen – man erkennt die glatten Maschenreihen, die sich sauber um die Oval-Form legen.
Meine Großmutter Irmgard hätte hier vermutlich schon telefoniert und trotzdem keine Masche verloren. Ich zähle bei diesem Schritt lieber laut mit.
Wichtig ist, dass ihr in jeder Runde an denselben Stellen zunehmt – an den Enden der Oval-Form, nicht an den Seiten. Wer hier durcheinanderkommt, bekommt einen Boden, der sich wellt oder schief zieht. Das war bei meinem allerersten Versuch übrigens genau das Problem.
Die Seiten nach oben häkeln

Sobald der Boden die gewünschte Größe erreicht hat, hört das Zunehmen auf. Jetzt häkelt ihr ohne weitere Zunahmen im Kreis weiter – und der Boden kippt Runde für Runde nach oben in die Senkrechte. Das ist der Moment, in dem aus einer flachen Fläche tatsächlich ein Korb wird.
Auf dem Foto seht ihr diesen Übergang bereits fertig: die Seitenwand steht gerade, die Maschen sind gleichmäßig, der Rand ist noch cremeweiß. Wie hoch ihr die Seiten häkelt, entscheidet über die Form – niedrig für eine flache Schale, höher für einen richtigen Vorratskorb.
- Gleichmäßige Spannung: zieht die Maschen nicht enger als im Boden, sonst zieht sich der Rand zusammen
- Kontrolle von innen: greift regelmäßig hinein, um zu prüfen, ob die Wand wirklich senkrecht steht
Zum grünen Garn wechseln

Der Farbwechsel ist der Punkt, an dem der Korb plötzlich nach etwas aussieht. Ihr häkelt die letzte Masche in Creme fast fertig, lasst die letzten zwei Schlaufen offen und zieht stattdessen das grüne Garn durch – so bleibt der Übergang sauber und es gibt keinen sichtbaren Knoten mitten in der Reihe.
Im Bild seht ihr genau diesen Wechsel: die Nadel arbeitet bereits mit Grün, während der cremeweiße Faden noch lose herunterhängt. Das lose Fadenende lasse ich bewusst lang, damit ich es später sauber vernähen kann, statt es beim Häkeln aus Versehen mit einzuarbeiten.
Wie breit der grüne Streifen wird, entscheidet ihr über die Anzahl der Runden – bei mir sind es genug, damit der Streifen als klares Band erkennbar bleibt, ohne den Korb optisch zu zerschneiden.
Die Kordel am Rand ansetzen

Jetzt kommt das Element ins Spiel, das diesen Korb von einem einfachen gehäkelten Behälter unterscheidet: die weiße Baumwollkordel. Sie wird nicht mitgehäkelt, sondern nachträglich am oberen Rand angesetzt und durchgezogen – ähnlich wie ein Zierstich am Stoffrand.
Auf dem Foto liegt der Korb bereits fertig gehäkelt da, grün-weiß gestreift, und die Nadel setzt gerade am Rand an, um die Kordel zu befestigen. Ich befestige das Kordelende immer mit einem kleinen, festen Knoten von innen, damit es sich später beim Ziehen nicht wieder löst.
- Kordellänge: plant großzügig, mindestens die doppelte Randlänge, plus Reserve für die Henkelschlaufe
- Material: eine geflochtene Baumwollkordel hält die Form besser als ein weiches Garn
Die Kordel durch den Rand ziehen

Dieser Schritt braucht etwas Ruhe. Ihr zieht die Kordel Masche für Masche durch den obersten grünen Rand – von außen nach innen, dann wieder nach außen, immer im gleichen Rhythmus. Auf dem Foto erkennt man das Ergebnis schon deutlich: ein feiner weißer Zickzackstich, der sich wie eine Naht um den ganzen Korbrand zieht.
Ehrlich gesagt ist das der fiddeligste Teil des ganzen Projekts. Die Kordel ist dicker und steifer als das Häkelgarn, und man braucht ein bisschen Kraft, um sie gleichmäßig durchzuziehen, ohne dass sich der Rand verzieht.
Wenn der Rand nach diesem Schritt leicht wellig aussieht, keine Sorge – das legt sich, sobald der Korb fertig ist und in Form gezogen wird.
Eine Griffschlaufe herausziehen

An einer Stelle des Randes zieht ihr die Kordel nicht straff durch, sondern lasst bewusst eine großzügige Schlaufe stehen – das wird der Henkel. Auf dem Foto seht ihr genau diesen Moment: die Nadel zieht die Kordel nach oben heraus, während sich eine deutliche weiße Schlaufe über dem grünen Rand bildet.
Wie lang ihr diese Schlaufe zieht, entscheidet, wie gut man später hineingreifen kann. Ich ziehe sie lieber etwas großzügiger, weil eine zu kurze Schlaufe später an den Fingerknöcheln zwickt, wenn man den Korb trägt.
- Optional: wer zwei Henkel möchte, wiederholt diesen Schritt an der gegenüberliegenden Seite
- Feststellen: verknotet die Schlaufenbasis von innen, damit sie sich nicht wieder in den Rand zurückzieht
Der fertige Korb

Am Ende steht ein ovaler Korb da, der genau das kann, was ich mir vorgenommen hatte: stabil stehen, etwas aushalten und sich bequem tragen lassen. Der cremeweiße Boden, der grüne Streifen und die weiße Kordelnaht mit Henkel ergeben zusammen ein Ergebnis, das ruhiger wirkt, als ich beim Häkeln gedacht hätte.
Das Ergebnis hat mich selbst überrascht, vor allem, weil die Kordel den ganzen Korb optisch zusammenhält, obwohl sie technisch nur ein nachträglicher Schritt ist.
Wenn euch der Streifen zu schmal oder zu breit geraten ist – das lässt sich beim nächsten Korb einfach über die Rundenanzahl in Schritt vier korrigieren. Kein Grund, von vorne anzufangen.
Mein Fazit
Dieser Korb hat länger gedauert, als ich anfangs dachte, vor allem wegen der Kordel am Rand. Aber genau dieser Schritt ist es, der ihn am Ende von einem gewöhnlichen Häkelkorb unterscheidet. Wenn eure Kordelnaht beim ersten Mal etwas krumm wird – meine auch. Das legt sich beim Tragen.

- Material
- Werkzeug

Was Leser oft fragen
Welches Garn eignet sich für diesen Korb am besten?
Ich verwende ein dickes Textilgarn (Bändchen- oder Bandgarn), weil es dem Korb von Anfang an Stand gibt. Dünnere Baumwollwolle funktioniert auch, ergibt aber einen weicheren, weniger formstabilen Korb.
Welche Häkelnadelgröße passt zu diesem Garn?
Für Bandgarn dieser Stärke nutze ich eine Nadel im Bereich von 8 bis 10 mm. Wenn die Maschen zu locker aussehen, greift ihr eine Nummer kleiner, damit der Boden fest genug bleibt.
Muss die Kordel unbedingt eine andere Farbe haben als der Korb?
Nein, das ist reine Optik. Ich mag den Kontrast, weil er den Rand betont, aber eine Kordel im gleichen Cremeton wirkt genauso schön, nur dezenter.
Kann ich zwei Henkel statt einem herausziehen?
Ja, das geht problemlos – ihr wiederholt Schritt sieben einfach an der gegenüberliegenden Randseite. Achtet nur darauf, dass beide Schlaufen ungefähr gleich lang sind.







