An einem nasskalten Sonntagnachmittag hier im Allgäu habe ich die Sockenkiste aus dem Keller geholt, die eigentlich für Stopfprojekte gedacht war, und daraus ist dieser Hase entstanden. Ich nähe seit Jahren mit Wolle und Nadel, aber Sockenstoff hat mich anfangs überrascht – er dehnt sich anders, als man denkt. Mein erstes Häschen saß leicht schief, aber genau das hat mir gezeigt, worauf es wirklich ankommt.
Was ihr braucht: Material und Werkzeug

Bevor irgendetwas geschnitten wird, lohnt sich ein ruhiger Blick auf den Tisch. Ich nehme dafür immer ein Paar flauschige Socken, die glatt und fusselfrei sind – alte, schon oft gewaschene Socken lassen sich erstaunlich gut vernähen, weil der Flor sich beim Nähen weniger sträubt.
- Socken: 1 Paar, flauschig, ohne lose Fäden
- Füllung: Füllwatte, gleichmäßig gezupft
- Nähzubehör: beiges Nähgarn, Nadel, Stoffschere
- Markierwerkzeug: wasserlöslicher Stoffmarker, Lineal
- Fixierhilfen: Stecknadeln, Klammern
- Deko: 1 Satinband für die Schleife
Für dieses Modell plane ich eine Körperhöhe von etwa 18 Zentimetern und Ohren von rund 8 Zentimetern ein. Legt euch wirklich alles griffbereit hin, bevor ihr anfangt – bei diesem Projekt wechselt man ständig zwischen Schere, Nadel und Lineal.
Socke markieren und zuschneiden

Jetzt wird es konkret. Bei Socke 1 messt ihr mittig vom Bündchen aus 8 Zentimeter nach unten und schneidet dort ein – aus diesem Stück entstehen später die Ohren. Socke 2 markiert ihr für Arme und Beine, jeweils zwei gleich große Teile.
- Ohrenmaß: 8 cm ab Bündchen einschneiden
- Armteile: 2 Stück, je 6 x 4 cm anzeichnen
- Beinteile: 2 Stück, je 7 x 5 cm anzeichnen
- Nahtzugabe: 0,7 cm an allen gezeichneten Linien mit einplanen
Achtet darauf, dass die Ferse der Socke mittig auf der Rückseite liegt – daraus wird später ganz beiläufig der Hinterkopf, und das sieht am Ende erstaunlich natürlich aus. Wer hier ungenau misst, merkt es erst beim Zusammennähen, wenn Kopf und Körper nicht mehr zusammenpassen wollen.
Ohren und Kopf nähen

Beide Ohrkanten steckt ihr rechts auf rechts und schließt sie mit Geradstich, Stichlänge etwa 2,5 Millimeter. An den Ohrspitzen näht ihr bewusst langsamer, damit die Kurve sauber wird und keine Ecken entstehen.
Nahtzugabe an Rundungen immer vorsichtig einknipsen – nicht bis knapp an die Naht, sondern mit etwas Abstand, sonst franst der Flor beim Wenden aus und die Kurve wird unruhig.
Die Wendeöffnung lasst ihr unten am Körper offen, das ist die Stelle, durch die später gefüllt wird. Nahtbeginn und -ende markiere ich mir immer kurz mit dem Stoffmarker, weil man sonst beim Zurückschneiden schnell die Übersicht verliert. Bei meinem ersten Versuch war genau das das Problem – ich hatte die Öffnung vergessen zu markieren und musste an einer schon geschlossenen Stelle wieder auftrennen.
Arme und Beine formen

Für Arme und Beine legt ihr jeweils zwei gleich große Teile rechts auf rechts und steckt sie rundum ab. Genäht wird mit 0,7 Zentimeter Nahtzugabe, oben lasst ihr jeweils eine etwa 2 Zentimeter breite Wendeöffnung offen.
- Beine: unten leicht oval nähen, damit später runde Füße entstehen
- Rundungen: Nahtzugaben zurückschneiden, sonst wird die Naht später sichtbar wulstig
- Arme: nach dem Nähen unscheinbar und flach – das ist normal, die Form kommt erst beim Füllen
Das klingt fummeliger, als es ist. Wirklich. Sobald ihr einmal ein Paar genäht habt, geht das zweite fast von allein, weil die Bewegung im Handgelenk sich einprägt.
Wenden und füllen

Alle Teile werden jetzt vorsichtig auf rechts gewendet. Für die Ohren nehme ich ein stumpfes Werkzeug – eine Stricknadel ohne Spitze funktioniert gut – und forme die Spitzen sauber aus, ohne den Stoff zu durchstoßen.
Warum unterschiedlich fest gefüllt wird
Kopf und Körper fülle ich fest, aber gleichmäßig mit Füllwatte, damit der Hase später stabil sitzt. Die Arme dagegen nur locker, sonst wirken sie steif und stehen unnatürlich ab. Bei den Beinen fülle ich den Fußbereich deutlich stärker – nur so kann das Häschen später wirklich sitzen bleiben, statt umzukippen. Während des Füllens modelliere ich die Form immer wieder mit den Händen nach, weil sich Watte gern in Ecken verschiebt statt gleichmäßig zu verteilen.
Öffnungen schließen und Teile annähen

Die offenen Kanten werden nach innen geschlagen und mit dem Leiterstich unsichtbar geschlossen – das ist die Stelle, an der Geduld sich wirklich auszahlt, weil ein sauberer Leiterstich später kaum zu sehen ist.
- Beine annähen: beide im unteren Vorderbereich mit 2 bis 3 Zentimeter Abstand symmetrisch ausrichten
- Arme annähen: seitlich auf Höhe des Halsübergangs befestigen
- Faden sichern: nach jedem Teil gut vernähen und im Körper verstecken
Ich stecke die Teile vorher immer probeweise mit Klammern an und schaue mir den Hasen von vorne an, bevor ich näh e – so lässt sich Schiefsitzendes noch korrigieren, ohne dass schon ein Stich drin ist.
Gesicht sticken und Schleife befestigen

Für das Gesicht markiere ich die Augenposition etwa 2 Zentimeter unterhalb der Ohrbasis, mit rund 2,5 Zentimeter Abstand zwischen den Augen. So bleibt der Blick mittig und der Hase kippt nicht optisch zur Seite.
- Augen: schwarzes Stickgarn oder Sicherheitsaugen – bei Kindern unter drei Jahren würde ich aus Verschluckungsgefahr eher zum gestickten Auge greifen
- Nase und Mund: mit kleinen Stichen mittig sticken
- Schleife: Satinband zu einer kleinen Schleife binden, von Hand an einem Ohr fixieren
Dieser Schritt entscheidet über den Ausdruck des ganzen Häschens. Mein erstes Gesicht saß einen halben Zentimeter zu tief, und plötzlich sah der Hase müde aus statt niedlich – zum Glück lässt sich Stickgarn notfalls wieder auftrennen.
Form prüfen und fertigstellen

Zum Schluss gehe ich einmal in Ruhe alle Nähte durch und arbeite lose Stellen nach, bevor ich Körper, Arme und Beine mit den Händen leicht in Form drücke. Die Ohren richte ich symmetrisch aus und fixiere die Schleife endgültig.
Das fertige Häschen misst bei mir etwa 18 Zentimeter in der Höhe. Gepflegt wird nur vorsichtig von Hand und liegend getrocknet, damit die Füllung nicht verrutscht.
- Sitzt stabil: kippt nicht nach vorne oder zur Seite
- Füllung gleichmäßig: keine Beulen oder Dellen tastbar
- Gesicht mittig: Blick geht geradeaus
- Fäden vernäht: nichts steht ab oder löst sich
Abschließende Gedanken
Am Ende stand meiner auf dem Küchentisch, leicht schief in den Ohren, aber mit einem Blick, der mich zum Schmunzeln gebracht hat. Genau so ein Häschen soll es sein – nicht makellos, sondern mit Geschichte.

- Material
- Werkzeug

Häufige Fragen
Welche Socken eignen sich am besten für den Miffy Hasen?
Ich nehme möglichst flauschige, fusselfreie Socken ohne Löcher oder ausgeleierte Stellen. Dünne Baumwollsocken funktionieren technisch auch, wirken am Ende aber weniger plüschig als flauschige Modelle.
Was mache ich, wenn die Naht nach dem Wenden ungleichmäßig aussieht?
Kleine Unregelmäßigkeiten lassen sich beim Füllen oft ausgleichen, weil die Watte den Stoff glättet. Sitzt eine Stelle deutlich eingedrückt, hilft es, dort noch einmal von innen etwas mehr Füllung nachzuschieben.
Kann ich statt Sicherheitsaugen auch Knöpfe verwenden?
Bei einem Häschen für ein Kleinkind würde ich davon abraten, weil Knöpfe sich lösen und verschluckt werden können. Gesticktes Gesicht ist hier die sicherere Variante.







